Von Tanzkartoffeln und Samba-Bunnies, oder: Wie man einen Zumbakurs überlebt

Zumba macht Spass, während man quasi nebenbei bei heisser Musik fit wird und auch noch eine Menge Kalorien verbrennt.

Deshalb ist Zumba wahrscheinlich auch so beliebt. Überall schiessen Kurse aus dem Boden und fast überall sind diese auch gut bis sehr gut besucht und man ist froh, wenn man in seinem Kurs genug Raum hat, um sich richtig auszutoben.

Auch zum Zumba bin ich eher zufällig während meiner Sportsuche Anfang 2013 gekommen. Sportspass bietet klassisches Zumba nach (soweit ich weiss) lizensierten Vorgaben an, aber eben auch das sogenannte Zum-Dance… Darunter fällt alles, was Zumbaelemente im weitesten Sinne enthält und mit verschiedenen Tanzelementen kombiniert… Da gibt es „Latin-Oriental Fire“ und noch das eine oder andere mehr. Und es gibt Joaquin… (dahinter kommen noch ungefähr 10 undglaublich feurig klingende brasilianische Namensbestandteile, aber im Grunde sind Namen nur noch Schall und Rauch, wenn man einmal dieses Energiebündel live erlebt hat…)

Man nimmt eine Menge in Kauf für diesen Kurs: einen riesigen, überfüllten, miefigen und unclever eingerichteten Grossraum-Umkleideraum mit ekliger Gruppendusche, einen blöden, langen (stinkenden, weil eklige Gruppendusche) Heimweg und einen völlig überfüllten Kursraum durch dessen riesige Fenster jeder reinstiert, der ins Sportspass will…

Und das alles nur um sich binnen 50 Minuten komplett alle zu machen, ca. 20 l Schweiss zu verlieren, 3 Tage Muskelkater im Hintern und den Oberschenkeln zu haben und sich trotzdem 60% der Kurs-Zeit wie ein Elefant im rosa Tütü inmitten von grazilen Flamingos zu fühlen…

Aber das ist einfach völlig egal, wenn man einmal Blut geleckt hat…

Ich stand dereinst dort, wog über 100 kg und hatte Null Plan von gar nichts… ich war vor Jahren, ein paar Mal in einem Zumbakurs gewesen, aber das half mir in dem Moment gar nichts, denn nachdem ich die ersten 2 Minuten mit leichtem Stretching noch halbwegs überstanden hatte, dröhnten nun plötzlich immer schneller und schneller werdenden Sambarhythmen durch den Raum und ich war verloren…

Eigentlich ein Grund zu fliehen und nie mehr wiederzukehren, aber dann bemerkte ich, dass auch tatsächlich ein Trainer im Raum war… eben schon erwähnter Joaqin… wilde Mähne, barfuß, ein breites Grinsen, südamerikanisches Temperament und ansonsten weder ein Instructor-Micro noch irgendwelche anderen Zeichen wie und was man tun soll…

Ich bin sogar bis heute der Meinung, dass es zu keiner Stunde ein Konzept, einen Plan oder sonstige Vorbereitung gibt… Es gibt nur die Musik und Joaquin… und das was in dem Moment in ihm vorgeht, wird dann die Zumba-Stunde… Natürlich gibt es ein paar Grundschritte, die man wiedererkennt, wenn man ein paarmal da war und sobald das geschieht, wird es leichter, bis dahin lautet das Motto Improvisation und immer in Bewegung bleiben, egal wie…

Es gibt ein paar Tricks, mit denen man sich am Anfang über die totale Ahnungslosigkeit retten kann:

  • Stell dich nie in die erste Reihe, auch wenn du meinst, von dort aus den Instructor besser sehen zu können. Das macht nur Sinn, wenn der Trainer erhöht auf einer Bühne steht, so dass man jederzeit freien Blick hat. Wenn der Raum verspiegelt ist, kann dich der unverstellte Anblick deiner rhythmischen Unfähigkeit schon arg runterziehen, und zusätzlich auch noch eine spiegelwandbedingte Rechts-Links-Schwäche auslösen…
  • Lieber einen netten Platz in der zweiten oder dritten Reihe suchen und auch wenn man so nicht zu jeder Zeit den Trainer komplett sehen kann, es gibt es immer jemanden, der es kann in den Reihen vor einem… an deren Schritten kann man sich prima orientieren und einfach hinterher hoppeln.
  • Aber bloss nicht eine von denen, die meinen, sie hätten den Samba erfunden, denn die basteln in ihre Bewegungen gerne kleine Extraschritte, -drehungen und -schlenker ein, die man als Newbie einfach nicht bringen kann und so ratzfatz wieder raus ausm Konzept ist…
  • Ich musste mich am Anfang schlicht und einfach entscheiden… Arme ODER Beine… beides koordiniert und auch noch in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen und im Takt zu bleiben erwies (und erweist sich zum Teil bis heute) als komplett unmöglich. Ich entschloss mich für Beine, da es mir wichtiger schien, die Schritte zu lernen, als zu wissen, ob ich jetzt Kreise, Pumpbewegungen oder Wellen machen muss….

Und so tanzkartoffelt man sich sich von Lied zu Lied und merkt gar nicht, wie die Zeit verfliegt.

Und das Schöne: Man ist nie die einzige, die ihren Hintern nicht so schwingen kann, wie die Mädels in den Musikvideos und die nach drei Schritten innehalten muss, um zu warten, bis die eigenen Füsse wieder vorbeikommen und man weitermachen kann 🙂

Jung und alt feiern für eine Stunde lang eine Party und wenn man öfter kommt, wird man damit belohnt, dass man irgendwann Lieder wieder erkennt und die entsprechenden Schritte zuordnen kann…

Es ist wie immer und überall… je öfter man etwas macht, um so besser wird man darin.

Obwohl ich natürlich nie eine Salsatänzerin werde (obwohl ich mich generell nicht für rhythmisch komplett unbegabt halte), aber manchmal, für den Bruchteil einer Sekunde, darf man ruhig glauben, dass man mal genauso biegsam und gelenkig wird, wie der feurige Joaquin da vorne, der Hintern und Hüften kreisen lässt, als gäbe es kein morgen…

Ich war inzwischen schon in vielen Zumba-Kursen und auch die eine oder andere Zumbaparty habe ich schon mitgemacht (einsamer Höhepunkt: 3 Stunden Zumba in der Wittener-Stadtgalerie nach Geschäftsschluss unten vorm Elektrofachmarkt auf der Freifläche vor den Fressbuden… 3 Stunden durchgetanzt und keinen Move ausgelassen! – aber ich schweife ab -)

Jedenfalls haben alle Zumba-Veranstaltungen bisher eins gemeinsam gehabt: Freundliche Menschen, die – ohne auf Alter, Nationalität, Geschlecht, Gewicht oder tänzerisches Können zu schauen – zusammenkommen, um gemeinsam Spaß zu haben.

Also wer Freude an Bewegung zu fetziger Musik hat und sich bisher nur nicht getraut hat, dem kann ich sagen: Nur Mut! Gebt dem Ganzen eine Chance, geht ein paar Mal hin, auch wenn es am Anfang scheint, als ob ihr es nie lernen werdet. Ihr werdet, und es geht schneller als ihr denkt!

Ein Wort zum Kalorienverbrauch:

MFP gibt übrigens (in Zusammenarbeit mit dem Zumbaverband höchstselbst) sehr hohe Kalorienwerte für Zumba vor… bei meinem aktuellen Gewicht soll ich fast 650 kcal pro Stunde verbrennen. Das ist sicher auch möglich, wenn man alle Choreografien perfekt beherrscht UND Arme und Beine zu jeder Zeit koordiniert bewegen kann… Ich kann das auch nach anderthalb Jahren nicht und auch wenn ich mich noch so anstrenge, gibt mir mein Brustgurt angelehnt an meine Herzfrequenz einen (immer noch sehr guten) Wert von 430 kcal pro Stunde aus. (Referenzwerte: 1.59m und derzeit 65 kg, durchschnittlicher Puls: ca. 135 bpm)

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5 Gedanken zu “Von Tanzkartoffeln und Samba-Bunnies, oder: Wie man einen Zumbakurs überlebt

  1. Öm, warst Du bei meinen ersten Zumbastunden dabei? Du hast es wirklich super beschrieben. Überings meine Arme und Beine sind sich immer noch nicht einig über die gleichzeitige Bewegung.
    Wieder mal super geschrieben/beschrieben mitten ins schwarz mit den nötigen auch Humor.

    Gefällt 1 Person

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